70 Prozent der befragten Arztpraxen berichten, dass sich der Austausch von Gesundheitsdaten durch die Telematikinfrastruktur verbessert hat. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zustimmung damit um neun Prozentpunkte gestiegen. Auch die Stabilität wird positiver bewertet: 69 Prozent der Arztpraxen erleben die TI als stabil. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Diese Ergebnisse des TI-Atlas 2026 zeigen eine klare Entwicklung. Anwendungen wie die elektronische Patientenakte (ePA), das E-Rezept und KIM werden zunehmend Teil der täglichen Versorgung. Zugleich bleibt die entscheidende Frage für Praxen: Kommt der technische Fortschritt auch als spürbare Entlastung im Arbeitsalltag an?

Was untersucht der TI-Atlas?

Die gematik veröffentlicht den TI-Atlas 2026 bereits zum sechsten Mal. Die Studie soll zeigen, wie die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen vorankommt und wie Leistungserbringende sowie Versicherte die Anwendungen der TI bewerten.

Die Daten wurden über eine quantitative Online-Befragung erhoben. Nach Angaben der gematik wurden bundesweit repräsentative Stichproben gezogen und teilweise Vollerhebungen durchgeführt. Einbezogen wurden nicht nur intensive Nutzerinnen und Nutzer der TI, sondern auch Einrichtungen, die sie bislang wenig oder gar nicht nutzen.

Das ist für die Einordnung wichtig: Der TI-Atlas misst vor allem Erfahrungen, Einschätzungen und Erwartungen. Er zeigt damit ein aussagekräftiges Stimmungsbild. Eine objektive Messung der tatsächlich eingesparten Arbeitszeit in einzelnen Praxen ersetzt er jedoch nicht.

Die ePA erreicht den Versorgungsalltag

80 Prozent der Bevölkerung kennen laut TI-Atlas die ePA für alle. Drei Viertel der befragten Praxen und Krankenhäuser geben außerdem an, Patientinnen und Patienten besonders beim Erstkontakt mithilfe der ePA besser behandeln zu können.

Der praktische Nutzen liegt auf der Hand: Sind relevante Befunde, Arztbriefe und Medikationsdaten verfügbar, muss das Praxisteam Informationen seltener telefonisch oder per Fax anfordern. Bei einer neuen Patientin können beispielsweise aktuelle Entlassungsunterlagen oder Angaben zur Medikation schneller in die Anamnese einfließen.

Das funktioniert allerdings nur, wenn die benötigten Dokumente vollständig, aktuell und schnell auffindbar sind. Eine gefüllte Akte ist nicht automatisch eine übersichtliche Akte. Praxen benötigen deshalb klare Regeln: Wer prüft die ePA? Welche Dokumente werden eingestellt? Wie werden relevante Informationen in das Praxisverwaltungssystem und in die Behandlung übernommen? Ohne abgestimmte Abläufe kann die ePA zunächst zusätzlichen Aufwand verursachen.

Der Datenaustausch wird besser bewertet

Mehr als zwei Drittel der befragten Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Krankenhäuser sehen Verbesserungen beim Austausch von Gesundheitsdaten. Bei den Arztpraxen steigt die Zustimmung auf 70 Prozent. In Krankenhäusern liegt sie bei 85 Prozent.

Für den Praxisalltag ist diese Entwicklung besonders relevant. Viele Belastungen entstehen nicht bei der Behandlung selbst, sondern an den Übergängen: beim Einholen eines Befundes, beim Versand eines Arztbriefes oder bei Rückfragen zu einer Verordnung. Digitale Verfahren können solche Medienbrüche reduzieren. Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten die vorgesehenen Anwendungen konsequent nutzen und die Prozesse technisch miteinander funktionieren.

Die Zahlen dürfen daher nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine digitale Nachricht allein noch keinen guten Informationsfluss garantiert. Falsche Empfänger im Verzeichnisdienst, uneinheitliche Dateinamen oder unklare Zuständigkeiten können die Bearbeitung weiterhin verzögern. Entscheidend ist nicht nur der digitale Übertragungsweg, sondern der gesamte Arbeitsprozess davor und danach.

69 Prozent der Arztpraxen bewerten die TI als stabil

Die Stabilität der Telematikinfrastruktur war in den vergangenen Jahren ein häufiger Kritikpunkt. Im TI-Atlas 2026 fällt die Bewertung nun besser aus. 69 Prozent der Arztpraxen beurteilen die TI als stabil. Das entspricht einer Steigerung um zehn Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Auch das TI-Gateway wird positiv bewertet. Dabei wird der Zugang zur TI über zentral betriebene Konnektoren bereitgestellt. Einrichtungen müssen den Konnektor somit nicht mehr selbst vor Ort betreiben. Laut gematik berichten umgestellte Einrichtungen unter anderem von stabileren Verbindungen, schnelleren Reaktionszeiten und geringerem Administrationsaufwand.

Für eine einzelne Praxis ist der Nutzen dennoch nicht garantiert. Die Umstellung verursacht zunächst Aufwand und hängt von der vorhandenen IT-Umgebung, dem Praxisverwaltungssystem und der Betreuung durch den IT-Dienstleister ab. Vor einem Wechsel sollten deshalb Zuständigkeiten, mögliche Ausfallzeiten, Supportwege und notwendige Anpassungen geklärt werden.

Der elektronische Medikationsplan weckt hohe Erwartungen

Der elektronische Medikationsplan gehört laut TI-Atlas zu den wichtigsten kommenden Digitalisierungsvorhaben. 60 Prozent der Arztpraxen erwarten, dass sich der Zeitaufwand für das Erstellen und Aktualisieren des eMP reduziert. Zwei Drittel der befragten Leistungserbringenden rechnen zudem mit vollständigeren und aktuelleren Medikationsdaten.

Gerade in Hausarztpraxen könnte dies einen spürbaren Unterschied machen. Bei multimorbiden Patientinnen und Patienten müssen Verordnungen verschiedener Fachrichtungen, Änderungen nach einem Klinikaufenthalt und selbst gekaufte Präparate zusammengeführt werden. Ein aktueller, digital nutzbarer Medikationsplan kann die Abstimmung erleichtern.

Noch handelt es sich bei diesen Angaben überwiegend um Erwartungen. Ob der eMP tatsächlich Zeit spart, wird davon abhängen, wie gut er in die gewohnten Arbeitsabläufe und in das Praxisverwaltungssystem integriert ist. Zusätzliche Klickwege oder doppelte Dokumentation würden den möglichen Nutzen schnell schmälern.

Was Praxen aus den Ergebnissen ableiten können

Der TI-Atlas zeigt keine vollständig abgeschlossene Digitalisierung. Er zeigt vielmehr, dass sich die Wahrnehmung vieler Anwendungen verbessert und ihr Nutzen im Alltag sichtbarer wird. Für Praxen ergeben sich daraus drei konkrete Aufgaben:

  1. Abläufe festlegen: Für ePA, KIM und E-Rezept sollten Zuständigkeiten und Bearbeitungsschritte im Team eindeutig dokumentiert sein.
  2. Technik regelmäßig prüfen: Updates, TI-Anbindung, Karten und Zertifikate sollten nicht erst dann geprüft werden, wenn eine Anwendung ausfällt.
  3. Rückmeldungen aus dem Team nutzen: Ärztinnen, Ärzte und Medizinische Fachangestellte erleben unterschiedliche Hürden. Kurze, regelmäßige Rücksprachen helfen, unnötige Arbeitsschritte zu erkennen.

Gute Zahlen sind erst der Anfang

Der TI-Atlas 2026 zeichnet ein deutlich positiveres Bild als in den Vorjahren. Datenaustausch, Stabilität und Akzeptanz entwickeln sich in die richtige Richtung. Für Arztpraxen entsteht daraus aber nicht automatisch mehr Zeit für die Versorgung.

Entscheidend ist, wie gut TI-Anwendungen in das Praxisverwaltungssystem und in die internen Abläufe eingebunden sind. Technik, Zuständigkeiten und Support müssen zusammenpassen. Dann können ePA, KIM und weitere Anwendungen tatsächlich dazu beitragen, Rückfragen, Medienbrüche und doppelte Arbeit zu reduzieren.

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Quellen